Eindrücke aus Nepal – Mitarbeit in der Clinic Nepal

 Straßenszenen in Kathmandu
 Straßenszenen in Kathmandu  Straßenszenen in Kathmandu  Straßenszenen in Kathmandu  Straßenszenen in Kathmandu Straßenszenen in Kathmandu

Auch in diesem September bin ich wieder nach Nepal gereist, um dort in der Clinic Nepal Patienten zu behandeln.

Vielleicht zunächst ein paar kurze Worte zu diesem wunderbaren Land Nepal, das wirklich immer eine Reise wert ist. Vorausgesetzt man ist bereit, sich auf einige Unzulänglichkeiten einzulassen, die zum Alltag in einem Entwicklungsland gehören. Nepal liegt genau zwischen Tibet bzw. China und Indien am Fuße des Himalaya. Es hat eine beeindruckende Landschaft mit einer sehr üppigen Vegetation. Es beinhaltet sowohl Hochgebirge, Mittelgebirge und das sogenannte Terai, ein sehr fruchtbares Tiefland mit grün leuchtenden Reisfeldern, Bambushainen, Bananen- und Ananasstauden, einer üppigen Blütentracht, Dschungellandschaft und vielen anderen. Sein Hochgebirge schließt 8 Tausender, wie den Mount Everest an der Grenze zu China, ein und ebenso das bekannte Annapurna Massiv. Auch das Mittelgebirge ist wunderschön. Kein Wunder, das Nepal ein beliebtes Ziel für Treckking-Urlauber ist. Die Haupteinnahmequelle Nepals ist der Tourismus.

Nepal gehört noch immer zu den Entwicklungsländern und aufgrund einiger politischer Besonderheiten, scheint es, dass seine Bevölkerung diese Situation noch auf unabsehbare Zeit weiter zu ertragen hat...
Die Menschen in Nepal setzen sich aus vielen verschiedenen Volksgruppen zusammen. Meist denkt man bei Nepal an den Buddhismus, da sich in Nepal die größte buddhistische Stupa der Welt sowie zahlreiche buddhistische Klöster befinden. (Link zur Boudhanhat-Stupa, die zum UNESCO Weltkulturerbe gehört: https://de.wikipedia.org/wiki/Bodnath) Doch gehören lediglich 9% der Bevölkerung dem Buddhismus an, während 81% dem Hinduismus zugehörig sind. Die Menschen Nepals sind im Allgemeinen äußerst freundlich, gelassen und begegnen den Besuchern sehr aufgeschlossen und tolerant.

Klimawandel auch in Nepal spürbar
Nach einem 3tägigen Aufenthalt bei unseren nepalesischen Freunden in Kathmandu haben wir das mehr als 1.000 m hoch gelegene Kathmandu-Valley verlassen, um weiter in die Tiefebene in den Chitwan-Nationalpark, in der sich die Clinic Nepal befindet, zu reisen. Wir, das sind mein Lebengefährte Klaus, ein Internist, Jürgen, ein Osteopath und Physiotherapeut und Hari, ein äußert begabter und engagierter „Selfmade-Man“, der Gründer der Clinic Nepal. Eigentlich hatten wir geplant, unsere Reise mit einem Inlandsflug fortzusetzen. Doch nach Stunden des Wartens im Flughafen von Kathmandu, haben wir uns entschieden, mit einem Taxi weiterzufahren (was für Europäer auch bei längeren Fahrten erschwinglich ist). Da sich in diesem Jahr zum ersten Mal der Monsunregen in Nepal aufgrund des Klimawandels um Wochen verlängert hat, war die Sicht derartig schlecht, dass die meisten Inlandsflüge gestrichen worden. In Folge war der Flughafen voller wartender Menschen aller Nationen. Viele Treckking-Urlauber warteten bereits seit Stunden auf ihren Weiterflug ins Gebirge. Was für uns ein kleiner Umstand bedeutet hat, kann für die Nepalesen schwerwiegende Folgen haben. Denn die Reisernte wird erschwert und in Zukunft könnten Einnahmen aus dem Tourismus wegfallen, wenn sich der Monsun bis in die Hauptreisesaison hinzieht.

Die Clinic Nepal, rechts der Garten der Clinic
Die Clinic Nepal der Garten der Clinic

Die Clinic Nepal liegt in Meghauli, einem kleinen Dorf im Chitwan Nationalpark im Terai-Tiefland im südlichen zentralen Nepal. In direkter Nähe zum Dschungel sind die  Lebensverhältnisse dort oft sehr einfach. Befestigte Straßen sind Mangelware. Im letzten Jahr gab es zwei asphaltierte Straßen, in diesem Jahr inzwischen immerhin drei. Einfache, oft aber schön verzierte Backsteinhäuser wechseln sich hier mit vielen Lehmhütten ab. In den letzten Jahren steigt die Zahl der mehretagigen Backsteinhäuser. Dahinter steckt meist ein großes Opfer, da die Finanzierung eines Hauses, das auch dem Monsunregen über lange Zeit standhält, nur durch die Arbeit eines oder mehrerer Familienmitglieder im Ausland möglich wird. Meist gehen junge Familienväter in die Golfstaaten. Nur alle paar Jahre können sich die meisten dieser Gastarbeiter einen Besuch in ihrer Heimat leisten.

In Meghauli fühle ich mich unwahrscheinlich wohl. Die Freundlichkeit der  Menschen hier ist eine Wohltat. Aber auch die Landschaft ist beeindruckend. An zwei Tagen war der Himmel so klar, dass wir von Meghauli aus nicht nur auf das Mittelgebirge, sondern auch auf den Himalaya mit seinen weißen beeindruckenden Gipfeln schauen konnten. Man versteht unmittelbar, dass diese Berge traditionell als heilig und „wesenhaft“ gelten. (Leider lässt sich dieser Anblick mit einem einfachen Smartphone nicht einfangen.) Als Reisende habe ich sozusagen mein Herz in Meghauli verloren. Aber was für mich als wohlstandsverwöhnte Städterin den Reiz des Natürlichen und Beschaulichen hat, bedeutet für die Bewohner einen mühevollen Alltag. Denn dieser ist zudem geprägt von einem heißen und subtropischen Klima, einer langen Monsunzeit und schwerer körperlicher Arbeit in den Reisfeldern, im Gemüseanbau und in der Tierhaltung, bei gleichzeitig schlechter Infrastruktur.

Auch wenn hier nicht alles besser ist, wie beispielsweise die Stellung der Frau, so gibt es doch vieles, was ich als erholsam und angenehm empfinde. Die Menschen sind im allgemeinen, wie schon erwähnt, sehr freundlich, zugängig, tolerant und trotz all der Widrigkeiten wirken sie entspannter, als der Durchschnittseuropäer. Die Kinder gehen gern zur Schule und lernen engagiert. Sie wirken im gesunden Sinne unbefangen und irgendwie unschuldig. Die Jugendlichen, auch wenn sie sich entsprechend der Vorbilder aus den Medien Mühe geben, wirken hier einfach nicht „cool“, sondern sie sind höflich, aufmerksam und  freundlich und dabei gleichzeitig sehr lebendig, sowie i.d.R. intelligent.
Egal, wie bescheiden  die Lebensverhältnisse sind, die Frauen kommen aus ihren kleinen und größeren Behausungen stets sehr gepflegt und in einer wunderschönen Farbenpracht gekleidet hervor!

Mitarbeit in der Clinic Nepal
Die Clinic Nepal wurde 1997 von dem Nepalesen Hari Bhandary als Privatiniative zur Verbesserung der Lebensverhältnisse in Meghauli, seinem Heimatdorf, gegründet. Die Arbeit der Clinic finanziert sich komplett aus Spenden aus dem Ausland. Leider ist die Politik in Nepal völlig von Korruption durchsetzt. Die Lebensverhältnisse der Bevölkerung scheinen nicht wirklich auf der Agenda zu stehen. Die gesamte Infrastrukur ist marode. Immerhin gibt es nun seit  zwei Jahren fast durchgängig Strom. Kleinere Stromausfälle dauern höchstens noch 10 Minuten. So läuft mittlerweile auch in vielen Lehmhütten der Fernseher. In Nepal zu studieren ist für junge Nepalesen häufig teurer als die Studienkosten in beispielsweise in Deutschland zu leisten. Kein Wunder, dass ein Großteil der jungen Leute das Land verlässt. Wir konnten uns wieder beeindruckt überzeugen, wie unermüdlich Hari Bhandary an dem Projekt zur Verbesserung der Lebensverhältnisse seiner Landsleute arbeitet. Der Klinik wurden über die Jahre noch sehr viele andere äußerst erfolgreiche Projekte angegliedert. Dazu gehören ein Kinderheim, erfolgreiche Patenschaften, die Versorgung mit Trinkwasser, die Einrichtung eines naturwissenschaftlichen Schulzweigs am College in Meghauli, samt Schulbus und vieles mehr.

Durch die Klinik selber wurden in Meghauli Arbeitsplätze geschaffen. Es arbeiten dort sehr gut ausgebildete medizinische Fachkräfte, die in der Lage sind, Wundversorgungen und kleinere Operationen durchzuführen. Es gibt einen Klinikmanager, einen Fahrer, eine Gärtnerin und eine Köchin. Ärzte kommen tageweise aus Barhatpur, der nächstgelegenen Großstadt. Die Patienten müssen für die Behandlung sozusagen einen Minimalbetrag zahlen, der ihnen auch wirklich möglich ist. (Die Klinikkosten werden wie schon erwähnt, ansonsten nur durch Spenden aus dem Ausland getragen. Leider sind auch in Nepal die Reichen nicht so sehr an ihren Mitbürgern interessiert...). Regelmäßig arbeiten Ärzteteams aus dem Ausland kostenlos in der Klinik  mit. Als Heilpraktikerin und Ergotherapeutin habe ich mich hier hauptsächlich in Sachen Schmerzlinderung eingebracht.

Wenn Sie mehr über das sehr interessante Projekt „Clinic Nepal“ erfahren möchten, dann lesen Sie bitte weiter unter http://www.clinicnepal.de/p/wilkommen.html oder lassen Sie sich auf der Facebook-Seite von Clinic Nepal auf dem Laufenden halten! Natürlich können Sie gerne auch mit mir diesbezüglich in Kontakt treten!

Warteraum Rezeption Kinder warten auf die Untersuchung durch Doc Klaus Ein Behandlungsraum für Wundversorgungen, sowie kleiner Operationen
Warteraum Rezeption Kinder warten auf die Untersuchung durch Doc Klaus Ein Behandlungsraum für Wundversorgungen, sowie kleiner Operationen

Durch die schwere körperliche Arbeit leiden viele Nepalesen in den Dörfern, vor allem die Frauen, unter Schmerzen des Bewegungsapparates, ohne dass es entsprechende Behandlungsmöglichkeiten in Reichweite gäbe. Physiotherapie, in unserem Sinne, ist in Nepal gänzlich unbekannt. Auch Akupunktur ist den Nepalesen nicht geläufig. Die nächste Großstadt ist weit entfernt und die Behandlungen sind zudem zu teuer und selbst zu zahlen. Aus diesem Grunde war es mir auch in diesem Jahr wieder eine Freude, in der Clinic Nepal mitzuarbeiten. 80 % meiner Patienten litten an Schmerzen, der Rest an Taubheitsgefühlen von Händen, Füßen oder Gliedmaßen. Eine Patientin hatte eine leichte Lähmung in einem Arm in Folge eines kleinen Schlaganfalls.Die Menschen begegneten diesen unbekannten Behandlungen wieder sehr aufgeschlossen! Erfreulich war, dass ihnen doch vergleichsweise schnell geholfen werden konnte.

Frau Mahato, eine stolze Tharu-Frau
Frau Mahato, eine stolze Tharu-Frau, die zu meinen ersten Patienten gehörte (und nun wieder schmerzfrei gehen konnte) traf ich zufällig nach Feierabend am Shop von Kuhl. Nahezu überall konnte man sitzen und Erfrischungsgetränke genießen, was bei Temperaturen zwischen 35 und 40° Celsius eine Wohltat war.

Frau Kaffle mit einer leichten Lähmung im linken Arm
Frau Kaffle mit einer leichten Lähmung im linken Arm hatte dank der Yamamoto Neuen Schädelakupunktur bei Behandlungsende wieder mehr Kraft im Arm. Auch die Feinmotorik war verbessert.

Behandlung mit Schädelakupunktur Behandlung mit Schädelakupunktur Patienten warten auf ihre nächste Behandlung
Behandlung mit Schädelakupunktur Behandlung mit Schädelakupunktur Patienten warten auf ihre nächste Behandlung
Meine Übersetzerin Nista, eine angehende Soziologin, im Gespräch mit einer Patientin
Meine Übersetzerin Nista, eine angehende Soziologin, im Gespräch mit einer Patientin

Ziegenübergabe
Ziegenübergabe

Aufgrund der großzügigen Spenden von Freunden, Bekannten und Familienangehörigen, war es uns auch in diesem Jahr zusätzlich wieder möglich, mit einer größeren Summe an dem Ziegenprojekt der Clinic Nepal teilzunehmen. Dabei bringen regelmäßig Clinic-Besucher aus dem  Ausland Geld für Ziegen mit. Die Ziegen werden vor Ort an besonders bedürftige Familien geschenkt. Diese  werden durch die jeweiligen Ortsbürgermeister ausgewählt. Mit den Ziegen können die Familien eine kleine Zucht beginnen und über den Verkauf Einnahmen erwirtschaften. Eine Ziege kostet in Nepal umgerechnet 70,- €, mehr als vielen Familien in einem Monat zur Verfügung steht. Die Ziegen werden in Rahmen einer offiziellen Zeremonie mit Bürgermeister und anderen lokalen Repräsentanten übergeben.

Noch ist nicht ganz klar, ob wir auch im nächsten Jahr wieder nach Meghauli reisen. Sollten Sie aber Interesse haben, mehr über die Clinic Nepal zu erfahren, dann können Sie sich bitte jederzeit mit mir in Verbindung setzen. Ein Besuch der Klinik und von Meghauli ist natürlich nicht an die Mitarbeit gebunden!

Und wie schon gesagt, Nepal ist wirklich eine Reise wert!

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